Der Europäische Aal ist „Fisch des Jahres 2025“
Europäischer Aal (Anguilla anguilla). Quelle: DAFV, Eric Otten
Berlin, 04.11.2024. Der Europäische Aal (Anguilla anguilla) ist ein faszinierender Bewohner unserer Küsten- und Binnengewässer. Interessant ist der Aal wegen seines komplexen Lebenszyklus, der ihn aber auch besonders empfindlich gegenüber Störungen macht. Der Europäische Aal machte einst etwa die Hälfte der Fischbiomasse in den europäischen Binnengewässern aus. Die Kanäle der norddeutschen Marschen waren damals so reich an Jungaalen, dass die Bauern sie als Dünger auf die Felder schaufelten oder sogar an ihre Hühner verfütterten. Neben anderen, werden als Ursachen für den starken Bestandsrückgang Lebensraumverlust, Wanderhindernisse und die Folgen des Klimawandels vermutet. Zahlreiche Querbauwerke erschweren heute die Zu- und Abwanderung der Aale in ihre angestammten Lebensräume in den deutschen Gewässern.
Verbreitung, Merkmale und Fortpflanzung
Der Aal hat einen schlangenförmigen Körperbau, bei dem Rücken-, Schwanz- und Afterflosse zu einem umlaufenden Saum zusammengewachsen sind. Bauchflossen fehlen ganz. Die weiblichen Aale werden mit bis zu anderthalb Metern Länge deutlich größer als die Männchen, die maximal 60 cm erreichen. Es gibt zwei Typen der Ernährungsweise, die sich über die Maulform differenzieren lassen, den Spitzkopfaal, der sich überwiegend von Kleinlebewesen wie Krebsen, Würmern und Schnecken ernährt und den Breitkopfaal, der überwiegend Fischnahrung aufnimmt.
Aale besiedeln als Generalisten vielfältige Lebensräume, vom klaren Bergsee bis zum trüben Tieflandfluss. Quelle: Sune Rii Sørensen
Den Großteil ihres Lebens verbringen viele Aal in unseren Binnengewässern. Nach mehreren Jahren Aufenthalt in den Binnengewässern wandern die Aale wieder in Richtung Meer, wobei sich ihr Körperbau in Anpassung an die marinen Verhältnisse verändert. Die Augen werden größer, der Rücken färbt sich dunkel und die Bauchseite silbrig weiß (Blankaal).
Auf der Wanderung Richtung Sargassosee, ein großes Meeresgebiet nördlich der Karibik, wandern sie nicht nur horizontal durch den Atlantik, sondern auch vertikal. Vermutlich um sich vor Fressfeinden zu schützen, tauchen sie tagsüber auf Tiefen von über 1000 Meter ab. Nach der Paarung in der Sargassosee schlüpfen die Larven, welche mit Unterstützung des Golfstroms als sogenannte Weidenblattlarven an die Küsten zwischen Nordafrika und Nordnorwegen zurückwandern. Noch vor dem Aufstieg in die Flüsse des Festlands entwickeln sie sich zu sogenannten Glasaalen. Der Form nach sehen sie jetzt schon aus wie erwachsene Aale; allerdings sind sie noch vollkommen durchsichtig. Mit Eintritt ins küstennahe Brackwasser beginnen sie sich dunkel zu färben. Mit fortschreitendem Alter wachsen sie heran und die Körperfärbung reicht von gelb-grün bis grau (Gelbaal), bevor sie dann als Blankaale die Reise zurück in die Sargassosee antreten.
Der Lebenszyklus des Europäischen Aals. Bild: cc by nc nd by Benjamin Stein (FeineFauna)
Als Generalisten können Aale fast alle Lebensräume besiedeln, vom klaren Bergsee bis zum trüben Tieflandfluss. Sie dienen aber auch als Nahrungsquelle für Fressfeinde wie Fischotter und Kormorane im Binnenland oder Wale und Haie auf ihren Wanderungen im Atlantik.
Sozioökonomische Bedeutung
Der Europäische Aal hat aber auch eine große kulturelle und sozioökonomische Bedeutung. Nach Angaben des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) ist der Bestand stark zurückgegangen. Deshalb ist er die einzige Fischart in Europa, für die es eine eigene EU-Verordnung gibt. Um den Bestand zu stützen und wieder aufzubauen, werden im Rahmen der Verordnung umfangreiche Besatzmaßnahmen durchgeführt.
Die Fangmöglichkeiten wurden in den letzten Jahren immer weiter eingeschränkt. Dennoch ist er nach wie vor ein beliebter Angelfisch und immer noch eine wichtige Einkommensquelle für die Binnen- und Küstenfischerei.
· Langstreckenwanderer der zweimal in seinem Leben den Atlantik durchquert
· Bestand ist durch Gewässerverbauung und Lebensraumverluste bedroht
· Einst der häufigste Süßwasserfisch in Europa
· Ein beliebter Angel- und Speisefisch
Lippeauenprogramm
Seit Anfang der 1990er Jahre wurden in dem sog. Lippeauenprogramm die fachlichen Grundlagen für eine naturnahe Entwicklung der Lippe erarbeitet. Hintergrund dabei war die Einsicht, dass in Nordrhein-Westfalen die Lippe der einzige große Fluss ist, der noch von der Quelle bis zur Mündung als Naturfluss entwickelt werden könnte. Auf der ca. 220 km langen Fließstrecke von Bad Lippspringe bis zur Mündung in den Rhein bei Wesel sind besonders in Städten zwar deutliche Entwicklungsrestriktionen gegeben. Anders als z. B. bei der ähnlich langen Ruhr scheinen wichtige Ziele, wie die vollständige Durchgängigkeit, aber erreichbar zu sein.
Aufgrund unterschiedlicher Zuständigkeiten wurden und werden von mehreren Vorhabenträgern bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt. In der untenstehenden Übersicht werden die wichtigsten Projekte im Bereich der Oberen Lippe (bis Lippborg) dargestellt.
Im Bereich der Oberen Lippe bis Lippborg wurden bereits zahlreiche Renaturierungsmaßnahmen umgesetzt (grün gekennzeichnete Flussabschnitte).
Von der Quelle bis zur Einmündung der Pader ist der Wasserverband Obere Lippe (WOL) zuständig, der mit der Renaturierung der Lippe im Bereich Tallehof zum einen eine faszinierende Flusslandschaft entwickeln und zum anderen den Hochwasserschutz für das unterhalb liegende Schloß Neuhaus verbessern konnte.
Ab Schloß Neuhaus bis zur Grenze des Kreises Paderborn westlich von Mantinghausen ist die Bezirksregierung Detmold verantwortlich für die Lippe als Gewässer 1. Ordnung. Die Errichtung der Lippeseeumflut wurde durch das Staatliche Umweltamt Lippstadt (heute Bezirksregierung Arnsberg) umgesetzt. Die Renaturierung der Lippe unterhalb Sande ist das nächste in Umsetzung befindliche Projekt. Weitere Renaturierungsabschnitte sind geplant.
Nach unterhalb schließt sich bis Lippborg der Arbeitsbereich der Bezirksregierung Arnsberg an. Neben größeren Maßnahmen, wie die Renaturierungen in der Hellinghauser Mersch, der Klostermersch, der Westernmersch und Anepoth ist eine Vielzahl kleinerer Umgestaltungs- und Optmierungsmaßnahmen von der Arnsberger Bezirksregierung umgesetzt worden.
Historische Flussentwicklung
Eine wesentliche Grundlage des Lippeauenprogramms war zunächst die Analyse der historischen Entwicklung des Lippeflusses. Dazu wurden alle verfügbaren historischen Quellen und Kartendarstellungen ausgewertet. Sehr interessant ist, wie stark sich die Landschaft durch den Einfluss der Menschen verändert hat.
Zur Zeit des Heidebauerntums wurde die Lippeaue nördlich und südlich durch große Heideflächen mit eingestreuten Dünen eingerahmt. Diese Heideflächen waren über Jahrhunderte durch intensive Schaf- und Ziegenbeweidung sowie durch die Gewinnung von Plaggen (humoser Oberboden) als Stalleinstreu und Dünger entstanden.
In der Lippeaue selbst gab es einige kleinere Gehölzflächen und Dünen. Aufgrund der Bodenfruchtbarkeit durch Überschwemmungen waren in gößeren Flächenanteilen Grünland und Ackerflächen vorhanden. Die Ackerflächen gehörten vielen unterschiedlichen Eigentümern und waren sehr klein parzelliert. Das ist aus Gründen der Übersicht in der Abbildung nicht dargestellt.
Nur 120 Jahre später hat sich die Landschaft stark verändert. Zur Zeit des Grünlandbauerntums (ca. 1950) sind fast alle Heideflächen kultiviert oder aufgeforstet worden. Der Anteil von Grünland- und Ackerflächen hat zugenommen. Der Verlauf der Lippe ist begradigt und ausgebaut worden.
Ab ca. 1920 war Kunstdünger billig und gut verfügbar geworden. Der Nutzungsdruck in der Landschaft hatte stark zugenommen. Auch bis dahin unrentable Flächen konnten durch die fortschreitende Mechanisierung der Landwirtschaft bewirtschaftet werden.
Im Verlauf der Jahrhunderte wurden Lippe und Flussaue durch die Menschen stark verändert. Während vor 1830 ein ausgeprägtes Mäandersystem (weite Flussschlingen) nachgewiesen werden konnte, war der Flusslauf um 1840 bereits stark verkürzt worden. Zahlreiche frühere Flussschlingen waren mit Durchstichen abgeschnitten und begradigt worden. Der Fluss wies aber in Abschnitten immer noch sehr abwechslungsreiche Profilgestaltungen auf.
Bis 1930 fanden einige weitere Laufverkürzungen statt. Die Profilform der Lippe wurde immer weiter vereinheitlicht.
Ab ca. 1950 begann die letzte Phase des technischen Ausbaus der Lippe. Ufer und Sohle wurden durch Steinschüttungen befestigt.
Durchgehend wurde ein tief eingeschnittenes, leistungsfähiges Trapezprofil gestaltet. Fluss und Aue wurden fast vollständig voneinander getrennt.Historische
Flussverläufe der Lippe (grün = vor 1830, lila = ca. 1840, dunkelblau = bis 1930)
Welche Veränderung die Ausbaumaßnahmen für die Lippe bedeutet haben, wird beim Vergleich von Flussprofilen aus dem Bereich Anreppen/Bentfeld deutlich.
Während um 1825 die Lippe ein breites und flaches Profil mit wechselnden Uferneigungen aufwies, ist das Ausbauprofil schmaler und gleichförmiger.
Historische Flussprofil der Lippe von 1824/25
Ausbauprofil der Lippe von 1988